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10 Schritte zur Prüfung eines Franchisesystems

Checkliste Franchisesysteme prüfen

Die Entscheidung für ein Franchisesystem ist eine der wichtigsten Entscheidungen in Ihrem Leben. Um nicht den Überblick zu verlieren und damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können, sollte eine Shortlist mit ca. 3 Systemen erstellt werden. Diese Systeme können Sie dann ausgiebig prüfen. Sollten Sie sich nur für ein System interessieren, raten wir dazu auch ähnliche Franchisegeber in derselben Branche zu prüfen, damit Sie Vergleichswerte haben. Bevor Sie die Shortlist erstellen und mit der Prüfung beginnen empfiehlt es sich natürlich zu recherchieren, ob Sie genügend Eigenkapital haben bzw. ob eine Lizenz in Ihrer Region überhaupt zu vergeben ist. Damit Sie bei der weiteren Prüfung die richtigen Fragen stellen können und kein Detail übersehen hilft Ihnen diese Checkliste.

1. Holen Sie sich allgemeine Informationen über den Franchisegeber von Dritten ein

Dieser erste Schritt gibt Ihnen einen Überblick wie der Franchisegeber derzeit aufgestellt ist. Dabei sollten Sie immer beachten, dass nur ein liquider und von der Geschäftsführung überzeugender Franchisegeber Sie optimal unterstützen kann.

  • Wer sind die Gesellschafter bzw. Besitzer des Franchiseunternehmens?
  • Wann wurde das Unternehmen gegründet?
  • Gibt es eine aktuelle Wirtschaftsauskunft (BÜRGEL oder CREDITREFORM)?
  • Prüfen Sie die aktuellen Jahresabschlüsse des Franchisegebers unter www.ebundesanzeiger.de

2. Recherchieren Sie Prüfsiegel und Bewertungen durch Dritte

Nicht jeder Franchisegeber muss Mitglied in Verbänden sein bzw. regelmäßig Preise erhalten. Gerade für junge oder internationale Systeme ist die Mitgliedschaft in nationalen Verbänden oftmals nicht die oberste Priorität. Sie sollten vor Ihrer Entscheidung aber zumindest die Mitgliedschaften und bisherigen Auszeichnungen prüfen und bei Bedarf kritisch nachfragen, warum keine Mitgliedschaft in einem Franchiseverband vorliegt. Dies kann auch mit einem nicht bestandenen Qualitätscheck verbunden sein.

  • Ist der Franchisegeber Mitglied im Deutschen Franchise Verband e. V.?
  • Ist der Franchisegeber Mitglied in einem internationalen Franchiseverband?
  • Welche Franchisegeber- bzw. Franchisenehmerpreise wurden bisher gewonnen?
  • Ist das Franchiseunternehmen im aktuellen Franchiseranking der Wirtschaftszeitung IMPULSE gelistet?

3. Stellen Sie dem Franchisegeber Fragen zur Umsatzentwicklung und den Standorten

Grundsätzlich gilt, dass ein Franchisegeber ohne Pilotstandort, also mind. einem funktionierendem Standort, gar kein Franchisegeber ist und sofort aus der Prüfung ausscheiden sollte. Ohne Pilotbetrieb kann keine Lizenz an einem bewährten Geschäftsmodell weitergegeben werden. Zudem sollten Sie beachten, wie sich die Umsätze und Standorte entwickelt haben. Bei guten Franchisegebern steigen diese Zahlen normalerweise stetig an. Eine abweichende Entwicklung sollten Sie sich vom Franchisegeber genau erläutern lassen.

  • Gibt es einen erfolgreichen Pilotbetrieb? Wenn ja, wird dieser vom Franchisegeber oder einem Franchisenehmer geführt?
  • Lassen Sie sich die betriebswirtschaftlichen Auswertungen des Pilotbetriebes zeigen. (BWA)
  • Wann eröffnete der erste Franchisestandort?
  • Wie ist die Umsatzentwicklung der letzten 5 Jahre?
  • Wie hat sich die Anzahl der Standorte in den letzten 5 Jahren entwickelt? (genaue Auflistung der Standorte pro Jahr)
  • Ist das Franchisesystem auch in anderen Ländern aktiv?

4. Hinterfragen Sie das Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell des Franchiseunternehmens ist ausschlaggebend für den Erfolg. Wenn Sie das aktuelle Geschäftsmodell überzeugt, sollten Sie sich die langfristige Perspektive anschauen. Gute Franchisesysteme entwickeln sich ständig weiter und bieten Franchisenehmern Möglichkeiten sich einzubringen.

  • Welche Erfolgsfaktoren machen das System aus?
  • Können diese Erfolgsfaktoren schnell kopiert werden?
  • Wurde das Geschäftsmodell in den letzten Jahren angepasst?
  • Gibt es ein Innovationsmanagement?
  • Welche spezifischen Möglichkeiten hat der Franchisenehmer sich mit einzubringen? (ERFA, Beirat usw.)

5. Machen Sie eine Wettbewerbsanalyse

Natürlich sollten Sie auch den Wettbewerb im Auge behalten. Dieser dient vor allem als Referenz. Sollten Sie nach dem Ende der Prüfung zur Einschätzung kommen, dass das Geschäftsmodell zwar gut, der Wettbewerb aber deutlich besser aufgestellt ist, dann raten wir vom Kauf einer Lizenz ab.

  • Direkter Wettbewerb: Welche Leistungen bieten andere Unternehmen und wo sind sie aufgeführt?
  • Indirekter Wettbewerb: Welche Unternehmen lösen das Kundenproblem auf eine andere Art und Weise?
  • Worin liegen die Stärken des Systems verglichen mit dem Wettbewerb?
  • Wie kann das System das Alleinstellungsmerkmal dauerhaft halten?
  • Worin sehen Sie die Nachteile des Systems gegenüber dem Wettbewerb?

6. Prüfen Sie die Leistungen und Gebühren des Franchisesystems

Die wichtigste Leistung eines Franchisegebers ist immer das bewährte Geschäftsmodell. Wenn dies nachweisbar funktioniert und langfristig ausgelegt ist, ist dies das Fundament eines erfolgreichen Franchisemodells. Darüber hinaus sollten Sie vorab prüfen, was die vertraglich zugesicherten Leistungen sind und wie z. B. die Marke geschützt ist. Bei den Gebühren gibt es keine Ober- bzw. Untergrenze. Hier gilt immer, wenn Sie nach Abzug aller Kosten und Gebühren Ihre Einkommensziele erreichen können und die Leistungen des Franchisegebers Ihnen dazu nützlich sind diese Ziele zu erreichen, sind die Gebühren ok. Zum Vergleich: Bei Franchiseystemen mit 1% Gebühr, mit dem Sie nicht Ihre Einkommensziele erreichen, ist die Gebühr zu hoch. Bei Franchisesystemen mit einer Gebühr von 50%, mit dem die Franchisenehmer aber hohe Gewinne erzielen, kann die Gebühr durchaus angemessen sein.

  • Wo sind die Leistungen genau aufgeführt, die für mich als Franchisenehmer relevant werden könnten? (z. B. Marketing, Schulung, Systemhandbuch usw.)?
  • Hat der Franchisegeber alle Markenrechte geschützt?
  • Gibt es besondere Rechte z. B. Patentrechte, die der Franchisegeber hält?
  • Welche einmaligen bzw. laufenden Gebühren fallen an?

7. Prüfen Sie die Wirtschaftlichkeit des Franchisemodells

Natürlich muss man einen Businessplan mit einer Liquiditäts- bzw. einer GUV-Rechnung erstellen, um das Modell aufgrund der persönlichen Verhältnisse und dem eigenen Standort durchzuplanen. Dabei sind neben den geschäftlichen Kosten auch die persönlichen Lebenshaltungskosten einzuplanen und es ist von realistischen Umsatzerwartungen auszugehen. Noch wichtiger sind aber die realen Werte der bisherigen Franchisenehmer. Sollten Ihre Planzahlen von den Durchschnittswerten der jetzigen Franchisepartner abweichen, muss die Abweichung sehr genau hinterfragt und begründet werden bzw. die Entscheidung negativ ausfallen.

  • Was sind Ihre Lebenshaltungskosten?
  • Wie und anhand welcher Faktoren werden Umsätze geplant?
  • Welche fixen und variablen Kosten fallen an?
  • Wann erreicht man die Gewinnschwelle?
  • Welche Durchschnittswerte erreichen die derzeitigen Franchisepartner?

8. Führen Sie Gespräche mit aktuellen Franchisenehmern

Die Gespräche mit den bestehenden Franchisenehmern sind der wichtigste Teil der Prüfung. Werden Sie hier ruhig selbst aktiv und besuchen Filialen bzw. Büros von zufällig ausgewählten Franchisepartnern. Fragen Sie hier auch kritisch nach und fordern bewusst ehrliche Antworten ein. Dabei macht es Sinn, sich neben den zufällig ausgewählten Partnern auch mit den besonders erfolgreichen zu unterhalten, weil diese Ihnen die besten Tipps geben können. Diese Fragen sollten Sie jedem Franchisenehmer bei der Systemprüfung stellen:

  • Würden sie die Entscheidung für dieses System nochmals treffen?
  • Welche Eigenschaften muss ein erfolgreicher Partner dieses Systems besitzen?
  • Wie sieht der normale Arbeitstag bei ihnen aus? Was sind ihre Hauptaufgaben?
  • Erreichen sie ihre Umsatz- und Gewinnziele?
  • Wann haben sie die Gewinnschwelle erreicht?
  • Auf was muss ich besonders achten? Was würden sie heute anders machen?

9. Prüfen Sie den Franchisevertrag

Der Franchisevertrag sollte grundsätzlich die Rechte und Pflichten regeln. Zudem sollte er in deutscher Sprache verfasst sein und im Streitfall deutsche Gerichte angerufen werden können. Besonderen Wert sollte auf die Laufzeit, meist mit optionaler Verlängerung, einen möglichen Gebietsschutz und die Pflichten des Franchisenehmers gelegt werden. Von der allgemeinen Prüfung durch einen Anwalt kann man in der Regel absehen, da die Verträge in dem meisten Fällen schon mehrfach, z. B. beim Systemcheck des Deutschen Franchiseverbandes auf Sittenwidrigkeit usw. geprüft wurden. Besonders sollte man bedenken, dass ein rechtlich einwandfreier Franchisevertrag noch keine Garantie für ein funktionierendes Franchisemodell ist. Die Wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodell kann kein Franchisevertrag garantieren. Den größten Wert sollten Sie bei der Prüfung eines Franchisesystems deshalb eher auf die Aussagen von aktuellen Franchisenehmern und die Prüfung des Geschäftsmodells legen. Durch die Aussagen der Franchisenehmer erfahren Sie oft am besten, wie der Vertrag tatsächlich gelebt wird und welche Fallstricke es gibt.

  • Wie lange ist die Laufzeit und gibt es die Möglichkeit der optionalen einseitigen Verlängerung durch den Franchisenehmer?
  • Welche Vertragsstrafen sind vorgesehen?
  • Aus welchen Gründen ist eine außerordentliche Kündigung möglich?
  • Welche Leistungen beinhaltet die monatliche Gebühr?
  • Unter welchen Bedingungen können weitere Standorte eröffnet werden?
  • Aus welchen Gründen kann eine außerordentliche Beendigung des Vertrages erfolgen?
  • Gibt es Umsatzmieten und wenn ja unter welchen Bedingungen können Mieten einseitig durch den Franchisegeber angepasst werden?

10. Weitere wichtige Fragen

  • Wie viele Partner sind in den letzten 2 Jahren ausgeschieden?
  • Aus welchen Gründen scheiden Partner aus dem System aus?
  • Gibt es oder gab es gerichtliche Auseinandersetzungen mit Franchisepartnern?
  • Wenn ja, wem wurde Recht zugesprochen?
  • Gibt es einen Beirat und wenn ja, welche Aufgaben nimmt er wahr?
  • Gibt es eine Produktbindung oder können Franchisepartner eigene Produkte und Dienstleistungen anbieten?
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